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Geschichte des Klosters und Schlosses Corvey

Gründung

Die Corveyer Abtei zählt zu den ältesten und bedeutendsten Klostergründungen im westfälischen Raum. Am Anfang ihrer Gründungsgeschichte stehen schon Pläne Karls des Großen.[1] Nach dem Sieg über die Sachsen um 800 war es Ziel und Anliegen Karls des Großen, den christlichen Glauben, „den wahren Glauben und die wahre Religion“, „in seinem gesamten Reiche [zu] festigen“.[2] Er plante daher die Gründung eines Reichsklosters als geistigen Stützpunkt in Sachsen nach dem Beispiel der großen und bedeutenden Abteien Frankens, zu denen auch die im Jahr 662 gegründete Abtei Corbie an der Somme gehörte, die damals in der Blüte ihrer Entwicklung stand.[3] Schon während der Sachsenkriege hatte Karl der Große die Sachsen gewaltsam zum Christentum geführt und „junge Sachsen als Geiseln […] mitgenommen“, um sie „in den fränkischen Klöstern zu verteilen und im heiligen Gesetz und der Mönchsregel unterrichten zu lassen“.[4] Gemäß der Translatio Sancti Viti, einem wichtigen Zeugnis zur Frühgeschichte Corveys, galt die Lebensführung der Mönche in Corbie als lobenswert, was Karl den Großen dazu veranlasste, besonders viele seiner Gefangenen dort unterzubringen. Zudem war Adalhard, Abt von Corbie, verwandtschaftlich eng mit dem karolingischen Königshaus verbunden und wurde nun offenbar von Karl dem Großen mit der Neugründung eines Benediktinerklosters in Sachsen betraut.[5]

Die Pläne gerieten allerdings ins Stocken, als Karl der Große verstarb, sich dessen Sohn und Nachfolger Ludwig der Fromme der Berater seines Vaters entledigte und Adalhard in die Verbannung schickte. 814/815[6] kam es unter Abt Adalhard dem Jüngeren, Adalhards Nachfolger in Corbie, zur Gründung einer kleinen klösterlichen Niederlassung in Hethis, einem heute nicht näher bestimmbaren Ort.[7] Zusammen mit dem Bruder Adalhards, Wala, Mönch in Corbie, hatte er die Pläne seines Vorgängers wieder aufgenommen und die Erlaubnis Ludwigs des Frommen eingeholt. Der Ort erwies sich bald aber aufgrund seiner topographischen Bedingungen als ungünstig zur Erwirtschaftung des klösterlichen Unterhalts.[8] Die klimatischen Verhältnisse und der schlechte Boden hier boten der Mönchsgemeinschaft keine ausreichende Existenzgrundlage und ließen sie schnell in eine Notlage geraten.

Mit der Rückkehr Adalhards aus der Verbannung und seiner Rehabilitierung als Abt von Corbie begann 821 die Suche nach einem geeigneteren Ort für die Gründung einer monastischen Niederlassung, den die Mönche im Jahr 822 im Weserbogen der „villa Huxori“, in der Nähe des später wichtigsten Hellwegübergangs über die Weser, fanden.[9] Im August 822 wurde der Ort in Besitz genommen, geweiht und vermessen, und am 25./26. September 822 zog der Konvent von Hethis in das neue Kloster um, wenngleich die Gebäude noch nicht vollständig errichtet waren.[10] Das neue Kloster blieb zunächst seinem Mutterkloster, der Abtei Corbie, unterstellt und erhielt den Namen „Corbeia nova“, aus dem wiederum „Corvey“ wurde. Abt von „Corbeia nova“ wurde Adalhard, der auch in Corbie – „Corbie antiqua“ – weiterhin als Klostervorsteher fungierte.[11] Der Translatio Sancti Viti zufolge war es Adalhard selbst, der den Konvent von Corvey „über alles, was zum Gottesdienst und zur heiligen Religion gehört“, belehrte.[12]

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Mittelalter

823 bestätigte Ludwig der Fromme die Gründung Corveys in zwei Urkunden[13] und gestand der Abtei kaiserliche Privilegien wie die Überlassung der sächsischen Güter Corbies, freie Abtswahl und Immunität zu. Nach dem Tode Adalhards 826 löste sich Corvey auch vom Mutterkloster Corbie und suchte die Selbstständigkeit.[14] In der Folgezeit entwickelte sich Corvey zu einem blühenden monastischen Zentrum in Sachsen, nicht nur wegen der günstigen geographischen Lage an der Weserniederung, sondern auch und vor allen Dingen aufgrund der zahlreichen Schenkungen und zugestandenen Privilegien durch Ludwig den Frommen und den sächsischen Adel.[15] Diese Förderung war Zeichen des kaiserlichen Vertrauens und Hilfe zur Stärkung der Wirtschaftskraft des jungen Klosters und machte Corvey bald zu einer der reichsten und bedeutendsten Abteien in Franken. Schon im Frühmittelalter waren eine große Zahl von Zellen, Propsteien, Kirchen und Kapellen von Corvey abhängig. Daneben erhielt das Kloster die „Standardbewidmung“ für karolingische Reichsabteien, die neben den oben genannten Privilegien Immunität und freie Abtswahl den Königsschutz umfasste. Hinzu kam für Corvey ein gewährtes Tauschrecht mit anderen Grundbesitzern, Marktprivilegien und im Jahr 833 die Münzrechtsverleihung durch Ludwig den Frommen. Damit war Corvey auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine der bestgestellten Abteien im nördlichen Europa jener Zeit und stand seinem einstigen Mutterkloster Corbie in nichts nach.[16]

Nach dem Tod Adalhards übernahm sein Bruder Wala, danach Abt Warin den Klostervorstand. Beide konnten den Besitz der Abtei weiter steigern. Außerdem erlangte Warin 836 die Gebeine des Hl. Vitus aus St. Denis und machte Corvey damit auch als Wallfahrtsort bedeutend.[17] Fortan trat der Hl. Vitus neben dem Hl. Stephanus, dessen Reliquien Ludwig der Fromme schon kurz nach der Klostergründung aus der Pfalzkapelle in Aachen gestiftet hatte, als Schutzheiliger des Klosters auf.[18] Ab 873 entstand das bedeutende Westwerk, das 885 geweiht wurde und als Beispiel karolingischer Baukunst bis heute erhalten ist.[19]

Die enge Bindung an das karolingische Herrscherhaus und den hohen Adel blieb das gesamte 9. Jh. hindurch bestehen. Äbte und ein Großteil der Mönche entstammten dem fränkischen und sächsischen Hochadel. Auch in dieser engen Verbindung zu den führenden Gesellschaftsschichten des Reiches liegt der rasche Aufstieg Corveys begründet. Entgegen der Benediktsregel nahm Corvey lange Zeit keine Mönche aus niederen Gesellschaftsschichten auf, sondern erwartete eine edle und freie Geburt von den Brüdern.[20] Eine „tolerante und weltoffene Grundhaltung und eine gewisse Distanz zu besonders strengen, asketischen Reformbewegungen des Mönchstums“ waren in Corvey in dieser Zeit kontinuierlich vorzufinden. [21] Dennoch kann von einem Verfall der klösterlichen Ordnung und einem geistigen Niedergang der Klostergemeinschaft nicht gesprochen werden. Corvey besaß eine Klosterschule, eine Schreibschule und eine Bibliothek. Für die Klosterschule war als erster Leiter der aus Corbie stammende Ansgar verantwortlich. 826 erhielt dieser zudem den Auftrag zur geistigen Missionierung Nordeuropas.[22] Die Verbreitung des christlichen Glaubens in den nördlichen Ländern ist vermutlich auch der Grund für die großzügige Privilegierung durch Ludwig den Frommen, der Corvey wahrscheinlich schnell diese zusätzliche Aufgabe zugedacht hatte.[23]

Von seiner Gründung an bis ins 13. Jahrhundert spielte Corvey auch in der Politik Sachsens und des Reiches eine größere Rolle. Nach dem Tod Ludwig IV. 911 und dem damit verbundenen Ende der ostfränkischen Karolinger wurde Corvey zum führenden Kloster des sächsischen Stammes, bewahrte sich aber noch seine karolingischen Traditionen. Die Ottonen hatten weniger familiäre Beziehungen zum Kloster an der Weser und bedachten Corvey weniger mit Schenkungen. Trotz des Verlustes an Bedeutung zur Zeit der Ottonen konnte Corvey seine Stellung im sächsischen Stammesgebiet bis zur Wende zum 11. Jahrhundert hin behaupten. Die günstige Lage der Abtei am Hellweg, die Nähe zum Kerngebiet der Ottonenherrschaft und die gute Ausstattung des Klosters führten bis zum 12. Jahrhundert zu zahlreichen Königsbesuchen, die Corvey zwar hohes Ansehen bescherten, es gleichzeitig wirtschaftlich aber auch stark belasteten.[24]

Im Zuge des Sachsenaufstandes im Jahr 1073 und der Kirchenreform entwickelte sich Corvey mehr und mehr zu einem Zentrum der sächsischen und kirchlichen Opposition gegen das salische und später dann gegen das staufische Königtum.[25] Entscheidende Gründe für die antikaiserliche Haltung Corveys waren wohl u. a. die „Klosterpolitik Heinrich II., besonders sein gewaltsamer Eingriff in Corvey 1015 und die wiederholte Einsetzung von nichtsächsischen, fremden Reformrichtungen angehörenden Äbten durch die Könige im 11. Jahrhundert“.[26]

Ab dem 11. Jahrhundert zeichnet sich nun allmählich der Niedergang Corveys ab, wenngleich dieser Vorgang zeitweilig unter den Äbten Markward (1081-1086), der 1090 die Hirsauer Reform durchführte und damit das monastische Leben in Corvey wieder zum Aufblühen brachte, Erkenbert und Wibald aufgehalten werden konnte.[27] Von der kaiserlichen Seite wurde diese Entwicklung allerdings ungern gesehen. Die Corveyer Annalen berichten, dass schließlich 1102 die „Corveyer Mönchsgemeinschaft [...] zerstört und Abt Markward durch Gunther von Hersfeld vertrieben“[28] wurde. Aber schon ein Jahr darauf verstarb Gunther und Markward konnte zurückkehren. Mit der Regierungsübernahme durch Heinrich V. (1104/1106) rückte Corvey nun auch wieder näher in das königliche Umfeld. Unter Missachtung der freien Abtswahl, die dem Corveyer Konvent schon durch Ludwig den Frommen zugebilligt worden war, setzte Heinrich V. nach dem Tod Markwards Erkenbert als Abt in Corvey ein.[29]

Angesichts der im 12. Jahrhundert zunehmenden Verdrängung der Benediktinerklöster aus ihrer bis dahin zum Teil beherrschenden Stellung in Bildung und Kultur konnte sich Corvey bemerkenswert lange halten. Seit den 1130er Jahren aber ist ein zunehmender Verfall der klösterlichen Disziplin festzustellen.[30] In einem Brief vom April 1147 des Priors Walter an Papst Eugen heißt es: „Und da durch die Nachlässigkeit unserer Äbte fast 50 Jahre lang das Vermögen unseres Klosters und sein Ansehen sowohl innen als auch draußen, mehr als man glauben kann, vermindert worden waren und wir innerlich nicht einträchtig waren, konnte in unserer Kirche niemand gefunden werden, der der Aufgabe gewachsen gewesen wäre, unsere Wunden zu heilen und die zerstreuten Söhne Gottes und unserer Kirche zur Einheit zusammenzuführen.“[31] Erst unter Abt Wibald von Stablo (1146-1158) erlebt das Kloster ein erneutes, aber kurzes Aufblühen. Die Disziplin der Mönchsgemeinschaft und die wirtschaftliche Lage des Klosters – vom 12. Jahrhundert an verlor Corvey einen großen Teil seiner Außenbesitzungen und konnte nur die direkt um das Kloster gelegenen Güter für sich beanspruchen – war dennoch nicht optimal. Abt Wibald erkannte zwar die Krise, in der sich das benediktinische Mönchtum befand, seine Bemühungen um eine Wiederherstellung des alten Ideals aber waren wohl nicht allzu erfolgreich.[32] Nach dem Tod Wibalds gelang es dem Kloster nicht, das alte Ansehen zu behaupten, und vermutlich schon bald nach Wibalds Ableben verlor Corvey seine Bedeutung im Reich und bei der Kurie. Zwar konnte einer seiner Nachfolger, Abt Widukind (1189-1203), Corvey noch einmal zu landes- und reichspolitischer Bedeutung verhelfen, dessen Nachfolger aber wiederum stürzten die Abtei in enorme Schulden. Ein „Klosterbrand im Jahr 1242 bedeutete […] einen weiteren Schritt zum Niedergang“ Corveys und die Opposition der Äbte Thetmar und Hermann gegen Rom zerstörte schließlich endgültig das ehemals so große Ansehen Corveys bei der Kurie.[33] Am Ende der Stauferzeit, in der Mitte des 13. Jahrhunderts, war Corvey weitgehend den Interessen der Bischöfe von Köln, Paderborn und Münster ausgeliefert, ein königlicher Schutz fehlte. Nach dem Tod des Abtes Hermann begann in Corvey die spätmittelalterliche Schwächeperiode, die auch in anderen Reichsabteien und Fürstbistümern zu beobachten war.[34] „Es wirkten ineinander wirtschaftliche Rezession der Klostergrundherrschaft, politische Ohnmacht und geistig-geistliche Bedeutungslosigkeit“.[35]

Die Geschichte Corveys im Mittelalter ist vor allem von der wechselvollen Entwicklung der Abtei bestimmt. Sie reicht von dem langwierigen Gründungsprozess, der fast zwei Jahrzehnte umfasste, über das schnelle Aufblühen Corveys zu wirtschaftlicher, geistiger und kultureller Stärke, bis hin zur Schwächung des Klosters seit dem 11. Jahrhundert und der Rolle Corveys als „Spielball der benachbarten Mächte Köln, Paderborn, Hessen und Braunschweig"[36] im späten Mittelalter.

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Reformationszeit

Im 14. und 15. Jahrhundert standen der Abtei überwiegend "unfähige oder unwürdige Äbte" vor, was demgegenüber dem Konvent stärkeren Einfluss auf die Klosterangelegenheiten verschaffte.[37] Im 15. Jahrhundert war schließlich der "Tiefstand der Entwicklung" erreicht und die Abtei verfiel zunehmend. Erst mit dem Anschluss an die Bursfelder Kongregation, einem Zusammenschluss von Benediktinerklöstern, im Jahr 1505 konnte dieser Verfall aufgehalten werden. Bis zur Jahrhundertmitte gelang es Abt Franz von Ketteler, die wirtschaftliche und geistliche Lage des Corveyer Konvents zu bessern. Auch der verfallenen Bausubstanz der Abtei nahmen sich von Ketteler und seine Nachfolger Rainer von Buchholz und Dietrich von Beringhausen an.[38]

Während sich die Reformation innerhalb des Corveyer Stiftsgebietes unter hessischem Einfluss im benachbarten Höxter und beim landsässigen Adel durchsetzen konnte, fand sie beim Corveyer Konvent keine Anhänger.[39] Abt Dietrich von Beringhausen leitete um 1590 schließlich die katholische Erneuerung ein, die Gegenreformation hatte aber keinen entscheidenden Erfolg. In der Folgezeit kam es kurzfristig zu einer Annäherung an die Reformation, die Bursfelder Kongregation aber griff hier ein, so dass die Rekatholisierung des Klosters und ab 1624 die Gegenreformation im Stiftsgebiet - mit Ausnahme der Stadt Höxter - ("weitgehend") durchgesetzt werden konnte.[40]

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Dreißigjähriger Krieg und Barockzeit

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte auch für die Abtei Corvey Folgen. Während den Wirren des Krieges wurde die Abtei stark verwüstet. Die Gebäude wurden zerstört, ein großer Teil der Bibliothek verbrannte oder wurde zerstreut und der Vitusschrein wurde geraubt.[41] Zudem hatte der Konvent mit militärischer Besatzung und Kontributionen zu kämpfen. Das Kloster war in dieser Zeit auf einem neuen geistigen und materiellen Tiefstand angelangt und die Schäden ließen sich nach Ende des Krieges nur schwer beheben. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 verzichtete Corvey auf die Wahl eines aus den eigenen Reihen stammenden Abtes. Stattdessen übertrug man 1661 dem Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen, die Administration. Dieser ist verantwortlich für eine in allen Bereichen stattfindende Rückbesinnung und Erneuerung, u. a. die Durchsetzung der landesherrlichen Autorität gegenüber Höxter. Im Zuge der geistigen, politischen und wirtschaftlichen Wiedererstarkung begann 1667 der Neubau der Klosterkirche und die Abtei erlebte eine barocke Spätblüte unter dem neuen, nun wieder aus dem Konvent gewählten, Abt Florenz von der Velde (1696-1716) und seinen Nachfolgern. Außerdem kam es im Rahmen dieser Konsolidierung zum Neubau der Klostergebäude in Form einer schlossartigen Anlage. Bis 1731 wurde der gesamte Corveyer Klosterbezirk nach einem in großen Teilen einheitlichen Plan im Sinne des Barock grundlegend neugestaltet.[42] Allein das Westwerk blieb von den mittelalterlichen Bauwerken erhalten und steht bis heute.

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Säkularisierung und Folgezeit

Die Reformen Kaiser Josephs II. bargen für das Kloster Corvey in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Gefahr der Aufhebung. Um der drohenden Säkularisation zuvorzukommen und dem Kloster neuen Aufschwung zu geben, verfolgte Abt Theodor von Brabeck (1770-1794) den Plan, Corvey zu einem Bistum zu erheben.[43] 1792 erklärte Papst Pius VI. Corvey schließlich zum Fürstbistum, doch schon wenige Jahre später, 1802-1803, verlor das junge Bistum seine Eigenständigkeit bereits wieder, wurde säkularisiert[44] und im Zuge des Reichsdeputationshauptschluss durch den Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. dem aus Holland vertriebenen Wilhelm V. von Oranien-Nassau zugesprochen, der es wiederum seinem Sohn, Erbprinz Wilhelm VI., vermachte.

1807 gelangte Corvey an das von Napoléon neu konstituierte Königreich Westphalen, dem Napoleons Bruder Jérome als König vorsteht, und gehörte diesem bis 1814 an. Nach dem Rückzug der französischen Truppen und der Auflösung des Königreichs Westphalen stand das Bistum Corvey wieder unter preußischer Verwaltung und wurde 1821 aufgrund der päpstlichen Bulle „De salute animarum“ aufgelöst und dem Bistum Paderborn inkorporiert. Nach der Aufhebung des weltlichen Bestandes 1803 war nun auch die geistliche Existenz Corveys beendet.[45]

Die Klostergüter und Forste waren bereits 1818 auf dem Tauschweg an den Landgrafen Amadeus von Hessen-Kassel übergegangen. 1834 vermachte dieser seinen Besitz seinem Neffen Viktor Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1818-1893), der 1840 durch den König von Preußen den Titel „Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey“ verliehen bekam.[46] Bis heute ist das Fürstenhaus Ratibor und Corvey Eigentümer des Schlosses Corvey. Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey war verantwortlich für die Berufung von Prof. Dr. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben im Jahr 1860 nach Corvey als Bibliothekar und Archivar. Die Fürstliche Bibliothek Corvey verfügt über eine überwiegend belletristische Büchersammlung, der von Fallersleben bis zu seinem Tod 1874 zu ihrem herausragenden Ruf verhalf. Sein Grab befindet sich auf dem Schlossgelände.[47]

 

Elisabeth Sudhoff

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Verwendete Literatur:

 

Föllinger, Georg: Corvey. Von der Reichsabtei zum Fürstbistum. Die Säkularisation der exemten reichsunmittelbaren Benediktiner-Abtei Corvey und die Gründung des Bistums 1786 – 1794 (Paderborner theologische Studien 7), München u. a. 1978.

Kasten, Brigitte: Adalhard von Corbie. Die Biographie eines karolingischen Politikers und Klostervorstehers (Studio humaniora. Düsseldorfer Studien zu Mittelalter und Renaissance 3), Düsseldorf 1985.

Lobbedey, Uwe: Corvey – Kirche, ehemaliges Kloster und heutige Schlossanlage (DKV-Kunstführer 364/3), Berlin 4. Aufl. 2003.

Rave, Wilhelm: Corvey. Geschichtlicher Überblick, kulturelle Würdigung, die Barockanlage, Stadt und Vorstadt, die Mauern der Freiheit, Erneuerungsarbeiten, das Westwerk, der Kaisersaal, die alte Abteikirche, Münster 1958.

Sagebiel, Martin: Corvey – Benediktiner, in: Hengst, Karl (Hg.): Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, Bd. 1: Ahlen-Mülheim (Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte 2), Münster 1992, S. 215-224.

Schmale-Ott, Irene (Bearb., Übers.): Translatio sancti viti martyris. Übertragung des hl. Märtyrers Vitus (Veröffentlichung der Historischen Kommission für Westfalen XLI, Fontes Minores 1), Münster 1979.

Schmale-Ott, Irene: Fortsetzung der Corveyer Annalen des 12. Jahrhunderts und die Geschichte des Klosters Corvey der Jahre 1145 - 1147 mit Zusätzen (Der Corveyer Chronograph). Annalium Corbeiensium continuatio saeculi XII et Historia Corbeiensis Monasterii annorum MCXLV - MCXLVII cum additamentis (Chronographus Corbeiensis) (Veröffentlichung der Historischen Kommission für Westfalen 41,2; Fontes Minores 2), Münster 1989.

Stephan, Hans-Georg: Studien zur Siedlungsentwicklung und -struktur von Stadt und Reichskloster Corvey (800-1670) Eine Gesamtdarstellung auf der Grundlage archäologischer und historischer Quellen, Bd. 1 (Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 26, 1-3), Neumünster 2000.

Stephan, Hans-Georg: Studien zur Siedlungsentwicklung und -struktur von Stadt und Reichskloster Corvey (800-1670) Eine Gesamtdarstellung auf der Grundlage archäologischer und historischer Quellen, Bd. 2 (Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 26, 1-3), Neumünster 2000.

Stüwer, Wilhelm: Die Geschichte der Abtei Corvey, in: Kunst und Kultur im Weserraum 800-1600. Ausstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Corvey 1966, Bd. 1: Beiträge zu Geschichte und Kunst, Münster ³1966, S. 5-18.

Stüwer, Wilhelm: Corvey, in: Haacke, Rhaban (Bearb.): Die Benediktinerklöster in Nordrhein-Westfalen (Germania benedictina 8), St. Ottilien 1980, S. 236-293

Wiesemeyer, Helmut: Gründung und geschichtliche Entwicklung der Abtei Corvey, in: Corvey. Ein Wegweiser durch seine Geschichte und die heutige Anlage, Höxter 1983, S. 3-9.

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Fußnoten

[1] Vgl. Kasten, Brigitte: Adalhard von Corbie. Die Biographie eines karolingischen Politikers und Klostervorstehers (Studio humaniora. Düsseldorfer Studien zu Mittelalter und Renaissance 3), Düsseldorf 1985, S. 145.

[2] Schmale-Ott, Irene (Bearb. und Übers.): Translatio Sancti Viti Martyris. Übertragung des hl. Märtyrers Vitus (Veröffentlichung der Historischen Kommission für Westfalen XLI, Fontes Minores 1), Münster 1979, S 37.

[3] Vgl. Wiesemeyer, Helmut: Gründung und geschichtliche Entwicklung der Abtei Corvey, in: Corvey. Ein Wegweiser durch seine Geschichte und die heutige Anlage, Höxter 1983, S. 3-9, hier S. 3.

[4] Schmale-Ott, Translatio sancti viti (wie Anm. 2), S 37.

[5] Vgl. Stephan, Hans-Georg: Studien zur Siedlungsentwicklung und -struktur von Stadt und Reichskloster Corvey (800-1670). Eine Gesamtdarstellung auf der Grundlage archäologischer und historischer Quellen, Bd. 1 (Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 26, 1-3), Neumünster 2000, S. 19.

[6] Das Jahr 814 nennt nur Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 20; Sagebiel / Stüwer, Corvey (siehe Anm. 14 und 9): 815.

[7] Vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 19 f. Der Ort Hethis wird bei Neuhaus im Solling vermutet. Vgl. hierzu auch Stüwer, Wilhelm: Die Geschichte der Abtei Corvey, in: Kunst und Kultur im Weserraum 800-1600. Ausstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Corvey 1966, Bd. 1: Beiträge zu Geschichte und Kunst, Münster ³1966, S. 5-18, hier S. 5.

[8] Kasten (wie Anm. 1), S. 146.

[9] Vgl. ebd., S. 145 ff. und Stüwer, Wilhelm: Corvey, in: Haacke, Rhaban (Bearb.): Die Benediktinerklöster in Nordrhein-Westfalen (Germania benedictina 8), St. Ottilien 1980, S. 236-293, hier S. 238.

[10] Vgl. Kasten (wie Anm. 1), S. 151, und Schmale-Ott, Translatio Sancti Viti (wie Anm. 2), S. 42 f.

[11] Vgl. Wiesemeyer (wie Anm. 3), S. 4.

[12] Schmale-Ott, Translatio Sancti Viti (wie Anm. 2), S. 44 f.

[13] Vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 19. Der Text der beiden Urkunden in Stephan, Hans-Georg: Studien zur Siedlungsentwicklung und -struktur von Stadt und Reichskloster Corvey (800-1670). Eine Gesamtdarstellung auf der Grundlage archäologischer und historischer Quellen, Bd. 2 (Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 26, 1-3), Neumünster 2000, S. 379 f.

[14] Vgl. Stüwer, Corvey (wie in Anm. 9), S. 238 und Sagebiel, Martin: Corvey – Benediktiner, in: Hengst, Karl (Hg.): Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, Bd. 1: Ahlen-Mülheim (Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte 2), Münster 1992, S. 215-224, hier S. 216.

[15] Vgl. Kasten (wie Anm. 1), S. 156.

[16] Vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 20 f. Sagebiel gibt für die Verleihung des Münzrechts das Jahr 834 an. Vgl. Sagebiel (wie in Anm.14), S. 216.

[17] Vgl. Stüwer, Corvey (wie in Anm. 9), S. 239.

[18] Vgl. Kasten (wie Anm. 1), S. 154.

[19] Vgl. Sagebiel (wie in Anm. 14), S. 220.

[20] Vgl. Stephan, Bd. 2 (wie in Anm. 13), S. 321. Zur Aufnahme von Bürgerlichen kam es erst im 16. und 17. Jh. Vgl. hierzu Sagebiel (wie in Anm. 14), S. 216 f.

[21] Stephan, Bd. 1 (wie in Anm. 5), S. 21.

[22] Vgl. Stüwer (wie in Anm. 7), S. 8.

[23] Vgl. Kasten (wie Anm. 1), S. 155.

[24] Vgl. Stephan, Bd.1 (wie Anm. 5), S. 22 f.

[25] Vgl. ebd.

[26] Ebd., S. 22.

[27] Vgl. Wiesemeyer (wie Anm. 3), S. 7.

[28] Schmale-Ott, Irene: Fortsetzung der Corveyer Annalen des 12. Jahrhunderts und die Geschichte des Klosters Corvey der Jahre 1145 - 1147 mit Zusätzen (Der Corveyer Chronograph). Annalium Corbeiensium continuatio saeculi XII et Historia Corbeiensis Monasterii annorum MCXLV - MCXLVII cum additamentis (Chronographus Corbeiensis) (Veröffentlichung der Historischen Kommission für Westfalen 41,2; Fontes Minores 2), Münster 1989., S. 53.

[29] Vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 23 f., auch Stüwer, Corvey (wie in Anm. 9), S. 252.

[30] Vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 23 f.

[31] Schmale-Ott (wie Anm. 28), S. 95.

[32] Vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 24.

[33] Ebd., S. 25.

[34] Vgl. ebd., S. 25 f.

[35] Ebd., S. 25.

[36] Sagebiel (wie in Anm. 14), S. 215.

[37] Zu diesem Absatz vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 26

[38] Vgl. ebd.

[39] Vgl. Sagebiel (wie in Anm. 14), S. 216.

[40] Vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 26 f.

[41] Vgl. Wiesemeyer (wie Anm. 3), S. 8 und Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 27.

[42] Vgl. Stephan, Bd. 1 (wie Anm. 5), S. 27.

[43] Vgl. Rave, Wilhelm: Corvey. Geschichtlicher Überblick, kulturelle Würdigung, die Barockanlage, Stadt und Vorstadt, die Mauern der Freiheit, Erneuerungsarbeiten, das Westwerk, der Kaisersaal, die alte Abteikirche, Münster 1958, S. 14. Zur Säkularisierung Corveys siehe auch Föllinger, Georg: Corvey. Von der Reichsabtei zum Fürstbistum. Die Säkularisation der exemten reichsunmittelbaren Benediktiner-Abtei Corvey und die Gründung des Bistums 1786 – 1794 (Paderborner theologische Studien 7), München u. a. 1978.

[44] Vgl. Stüwer (wie in Anm. 7), S. 17.

[45] Vgl. Wiesemeyer (wie in Anm. 3), S. 8 f.

[46] Vgl. ebd.

[47] Vgl. Lobbedey, Uwe: Corvey - Kirche, ehemaliges Kloster und heutige Schlossanlage (DKV-Kunstführer 364/3), Berlin 4. Aufl. 2003, S. 4 f.

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