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Das Corveyer Skriptorium

Bereits kurze Zeit nach ihrer Gründung entwickelte sich die Abtei Corvey zu einem bedeutenden wirtschaftlichen, wie kulturellen Zentrum im sächsischen Reich. So erlebte auch das Skriptorium, das trotz spärlicher Quellen von Anfang an in Corvey vorausgesetzt werden kann, in den ersten beiden Jahrhunderten des Bestehens eine Blüte, die später nie wieder erreicht werden sollte. Während das Corveyer Skriptorium zunächst noch unter dem Einfluss des westfränkischen Mutterklosters Corbie stand, wurden hier im 10. Jahrhundert schließlich bedeutende Zeugnisse der ottonischen Buchkunst geschaffen. Damit wurde Corvey zum Zentrum der weserländischen Buchmalerei.

Bei den in Corvey entstandenen Handschriften handelt es sich zum größten Teil um liturgische Texte, vor allem Evangeliare.  Bis etwa 970 wurden diese vor allem mit ornamentalem Schmuck versehen, wie kunstvollen Kanontafeln und Zier- und Initialseiten, oft auf purpurfarbenem, stoffartig gemustertem Hintergrund. Später kamen figürliche Darstellungen wie Evangelistenbilder oder federgezeichnete Szenen aus dem Leben Jesu hinzu. Neben diesen kunstvoll ausgestalteten Prachthandschriften, die vor allem als Auftragsarbeiten entstanden, gingen aus der Corveyer Schreibstube aber auch eine Vielzahl von Gebrauchshandschriften hervor, die von den Mönchen im klösterlichen Alltag oder für ihre schriftstellerischen Arbeiten benötigt wurden.

Seit dem Jahr 1000 versiegt die Handschriftenproduktion in Corvey allmählich. Ein Skriptorium wird vermutlich weiter bestanden haben, für das 11. Jahrhundert aber sind kaum noch  Zeugnisse einer buchkünstlerischen Tätigkeit überliefert. Auch unter dem literarisch und künstlerisch interessierten Abt Wibald von Stablo (1147-1158) kam es offenbar nicht zu einem Aufleben des Corveyer Skriptoriums. Handschriften wie der Cicero-Codex oder der „Liber vitae“ sind offenbar zwar zu dessen Amtszeit entstanden, möglicherweise auch von ihm in Auftrag gegeben, vermutlich aber nicht in Corvey selbst angefertigt worden. Für das 13. und 14. Jahrhundert ist so der endgültige Niedergang anzunehmen.

 

Elisabeth Sudhoff