Sitemap | Kontakt de | eng | fr

Seite drucken
Copyright 2011

Allgemeines zur Buchmalerei

Die Buchherstellung im Mittelalter fand in den Klosterschulen bzw. Skriptorien statt. Die Vervielfältigung von Schriften wurde zur Aufgabe der Mönche und Nonnen, die die Kunst des Schreibens und Malens perfektionierten. Die Tradition der Buchmalerei kam aus der Antike, wobei sich der damalige Schmuck auf Initialen und Schlusszierleisten beschränkte. Das Mittelalter brachte mit der Entwicklung der Klöster und ihrer Schulen eine neue Dimension der Buchmalerei.

Die Gestaltung einer Handschrift wurde oft noch vor Beginn des Schreibens festgelegt, sowohl die Motive als auch die Anzahl der Bilder und schmückenden Ornamente. Die kunstvollen Miniaturen erleichterten das Verständnis der meist lateinischen Texte und dienten als Mittel der Gottesverehrung. Die mittelalterlichen Schreiber und Maler verstanden ihre Aufgabe als eine Form der Mission und versuchten, durch die prachtvollen Werke und Illustrationen ihre religiöse Zugehörigkeit und Frömmigkeit auszudrücken. Die Thematik der Bilder bezog sich überwiegend auf theologische Inhalte solcher Werke wie Bibel, Evangelium oder Psalter.

In den mittelalterlichen Klosterskriptorien wurden immer mehr Bücher abgeschrieben und verfasst, je weiter die Epoche fortschritt, und die Gestaltung einer Handschrift wurde zu einem Meisterwerk. Die Buchillustration in der Karolingerzeit war keine Wiedergabe der Wirklichkeit, sondern eine symbolische Darstellung und ein Erinnerungsbild für die Leser. Das äußerte sich ebenso im Zurückdrängen der Landschaft wie in der Bevorzugung des Figürlichen, mit einer betonten Steigerung der Gestik und einer irrealen Überzeichnung der Figuren und ihrer Glieder.[1]

In der Zeit der Hoch- und Spätromanik in Deutschland änderte die Buchmalerei ihren Charakter. Die Miniaturen stellten die Bildgegenstände nun im richtigen Größenverhältnis dar und die Figuren als ein Hauptgegenstand eines Bildes nahmen eine realistische Gestalt an. Neben den Deckfarben verwendeten die Maler Federn und zeichneten geschwungene und präzise Linien, die sich in kunstvolle Ornamente verliefen. Die bildliche Darstellung der Figuren spiegelte die mittelalterliche Vorstellung vom Verhältnis zwischen Mensch und Gott. Sie drückte im gleichen Moment das künstlerische wie das religiöse Empfinden der Miniaturmaler aus.

Neben der geistlichen Funktion der Buchillustrationen im Mittelalter entwickelte sich eine zweite Zielrichtung der Buchmalerei: Fürstliche Auftraggeber wünschten, Werke für Repräsentationszwecke zu haben. Diese Handschriften beschränkten sich nicht mehr nur auf religiöse Inhalte. Es wurden immer mehr weltliche Dichtungen für den Privatgebrauch der gehobenen sozialen Klasse illuminiert und als Statussymbol benutzt.

Die wachsende Nachfrage nach Handschriften führte zu einer Spezialisierung der Arbeitsprozesse. Die geistlichen und laizistischen Auftraggeber hatten unterschiedliche Vorstellungen, was die Buchmalerei betraf. Somit bestimmten sie die Thematik der Bilder und nahmen Einfluss auf die handwerkliche Vorgehensweise bei der Illuminierung der Handschriften. Die Synthese von Kunst und handwerklicher Geschicklichkeit konnte mit der Zeit auf langer Erfahrung aufbauen und die Maltechnik verbesserte sich. Die Farbherstellung, die Verwendung verschiedener Farbtöne, der sich wandelnde Stil der Bilder und schließlich die Kreativität der Maler brachten bedeutende Werke der Buchmalerei in einer großen Vielfalt hervor.

In mittelalterlichen Schriften wurden zahlreiche Rezepte zur Herstellung von Farb- und Bindemitteln aufgeschrieben, aber auch Anweisungen, wie Malschichten aufzubauen sind und welche Erfahrungen über Verträglichkeit von Farben gemacht wurden:

„Welche Farben sich nicht vertragen.

Wenn du wissen willst, welche Farben sich nicht vertragen, hier ist es: Auripigment verträgt sich weder mit Folium noch mit Viride, noch mit rotem oder mit weißem Blei.

Viride verträgt sich nicht mit Folium...

Wenn du mit Gold schreiben willst, nimm Pulvergold und mische es mit Leim von jenem Pergament, auf das du schreiben sollst, und schreibe am Feuer mit jenem Gold und Leim, und wenn der Buchstabe trocken ist, poliere mit einem sehr glatten Stein oder einem Eberzahn. Wenn du davon ein Gewand oder eine andere Malerei machen willst, wie ich oben gesagt habe, lege das Gold auf Pergament auf, vertiefe mit Tinte oder Indigo und helle auf mit Auripigment.“[2]

Die Erfindung des Buchdrucks änderte zunächst nicht viel an dem Äußeren eines Buches. Es wurde an der Tradition des Einbandes festgehalten, ebenso wie an der Gestaltung, z.B. in Form der Buchillustration. Der größte Unterschied bei der Herstellung der Bücher war die Mechanisierung und der Einsatz von Druckverfahren (zunächst Holzschnitt) auch für Abbildungen in Büchern.

Die Bedeutung des Bildes wurde erhalten und die Miniaturen dienten immer noch zum besseren Verständnis des Textes und spielten eine schmückende und auflockernde Rolle. Die Bindung zwischen Text und Bild blieb in einem kommunikativen Verhältnis und die Bilder ergänzten die textvermittelten Inhalte des Buches.

 

Marlena Wahrenburg

 

Verwendete Literatur:

 

Funke, Fritz: Buchkunde. Ein Überblick über die Geschichte des Buches. 5., neubearb. Aufl. München u. a. 1992.

 Janzin, Marion; Güntner, Joachim: Das Buch vom Buch. 5000 Jahre Buchgeschichte. Hannover 2007.

 Kirmeier, Josef; Schütz, Alois; Brockhoff, Evamaria (Hg.): Schreibkunst. Mittelalterliche Buchmalerei aus dem Kloster Seeon. Regensburg 1994.

 Kunze, Horst: Geschichte der Buchillustration in Deutschland. Das 15. Jahrhundert. Textband.Leipzig 1975.

 Stolz, Michael; Mettauer, Adrian (Hg.): Buchkultur im Mittelalter. Schrift-Bild-Kommunikation. Berlin/New York 2005.

 Trost, Vera: Skriptorium. Die Buchherstellung im Mittelalter. Stuttgart 1991.

 Wendland, Henning: Die Buchillustration. Von den Frühdrucken bis zur Gegenwart. Stuttgart 1987.

 

 

 



[1] Vgl. Kunze, Horst, Geschichte der Buchillustration in Deutschland. Das 15. Jahrhundert, Textbd. Leipzig 1975, S.65.

 

[2] Mappae Clavicula, 10. Jahrhundert, in verschiedenen Überlieferungen vorhanden. Zitat und Übersetzung aus dem Lateinischen nach Trost, Vera: Skriptorium. Die Buchherstellung im Mittelalter. Stuttgart 1991. S. 30.